Regen am Kaspischen Meer

Gina Nahai
“Regen am Kaspischen Meer”
Aus dem Amerikanischen von Brigitte Jakubeit
Verlag: MAREBUCHVERLAG; Auflage: 1 (6. März 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866480776
ISBN-13: 978-3866480773
318 Seiten, Marebuch Verlag

Die zufällige Begegnung zwischen der sechzehnjährigen Bahar, einer Jüdin aus der Unterschicht Teherans, und Omid, dem Sohn einer reichen jüdischen Familie, zu Anfang der fünfziger Jahre, mündet in einer „Märchenhochzeit“, die die kühnsten Jungmädchenträume zu erfüllen scheint. Die Wirklichkeit allerdings sieht anders aus, denn die Ehe ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Omid will eine Ehefrau, die er „erziehen“ kann; ihm geht es nicht um Liebe, denn er hat sich schon vor der Hochzeit in eine andere verliebt. Bahar muss ihre Träume von Bildung und Unabhängigkeit aufgeben und versuchen, sich an die reichen Frauen im Umfeld ihres Mannes anzupassen, die sie aufgrund ihrer Herkunft verachten. Und statt des erhofften Sohnes bekommt sie „nur“ eine Tochter, die dazu nach einigen Jahren taub wird.

Diese Tochter ist die Protagonistin in Gina Nahais Roman, und sie erzählt das Leben ihrer Eltern und deren Familie in einer präzisen und herzzerreißenden Sprache. Im Wechsel zwischen verständnisvoller Distanz und verzweifelter Nähe vermittelt sie ein Bild jüdischen Lebens in Teheran von den vierziger Jahren, als die Ghettos geöffnet wurden, bis zu Khomeinis Revolution Ende der siebziger Jahre. Dieses Leben ist weiterhin vom Ghetto geprägt und vollzieht sich in einer kleinen, engen und streng geregelten Welt, in der seit Generationen jeder, ob reich oder arm, jeden kennt und in der alle ständig streng beobachtet und und gnadenlos bewertet werden. In dieser erstickenden Atmosphäre gibt es kein Glück, nur einen Fatalismus, der zwar Verrücktheiten und Skurrilitäten duldet, wenn nicht sogar produziert, aber Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung und das Ausprobieren von Lebensentwürfen unmöglich macht, vor allem, aber keineswegs nur für die Frauen. „Regen am Kaspischen Meer“ ist ein wunderschöner, sehr lesenswerter und berührender Roman über eine untergegangene Welt, der man allerdings kaum eine Träne nachweinen wird.